Offshore Konto & Offshore Firma – Tipps

Tipps für ein Offshore BankkontoDer englische Ausdruck Offshore bedeutet wörtlich übersetzt offene See. Als Offshore Firma ist eine Firma mit Sitz in einem steuerbegünstigten,  finanzmarktaufsichtsrechlich minimal kontrollierten Territorium zu verstehen. Ein Offshore Konto (offshore bank account) ist ein Bankkonto in einem solchen Land.

Als Offshore Länder werden Staaten bezeichnet, deren Steuern im internationalen Vergleich sehr niedrig sind und deren Aufsichtsbehörden den lokalen Finanzmarkt nur in einem geringen Maße kontrollieren und regulieren. Da es sich bei diesen Staaten oft um Inseln außerhalb der Küstenregion handelt, hat sich der Ausdruck Offshore für die auch als Steueroasen bezeichneten Länder durchgesetzt. Die örtlichen Banken garantieren, dass sie in Bezug auf ein Offshore Konto keine Informationen über den Kontoinhaber und dessen finanzielle Transaktionen weitergeben.

Ein Offshore Konto eröffnen, Tipps & Ratgeber

Um ein Konto in einer Steueroase zu eröffnen, muss der Kontoinhaber keinen Karibikurlaub einplanen. Dabei bietet nur eine sehr geringe Anzahl der ausländischen Banken eine direkte Kontoeröffnung online an. Der Weg geht hier über Vermittler:  Interessenten müssen auf Vermittler zurückgreifen, die sich auf die Eröffnung von Offshore Konten spezialisiert haben.

Im Internet sind zahlreiche Anbieter zu finden, über die ein Konto im meist außereuropäischen Ausland eröffnet werden kann. Die Kontoeröffnung wird auch online angeboten und soll nach Aussage einiger Vermittler innerhalb von 24 Stunden abgewickelt sein. Die Vermittler verlangen für die Kontoeröffnung und zum Teil für weitere Dienstleistungen eine Gebühr, die der Kontoinhaber zu zahlen hat. In welcher Währung das Konto geführt wird, hängt von dem Land ab. Hier erhalten Sie Informationen zu Fremdwährungskonten.

Eigene Niederlassungen europäischer Banken

Auch große und bekannte Banken aus Europa unterhalten an einigen Offshore Bankplätzen eigene Niederlassungen oder kooperieren mit örtlichen Kreditinstituten und sind ihren Kunden bei der Eröffnung eines Offshore Kontos behilflich. Diese Hilfe wird aber in der Regel nur sehr vermögenden Privatkunden oder Geschäftsleuten angeboten. Die früher beliebte Methode, mit einem Koffer voll Geld auf eine englische Kanalinsel, in die Schweiz, nach Asien oder in die Karibik zu fahren, wurde durch schärfere Grenzkontrollen und die verstärkte Verfolgung von Steuersündern weitgehend eingedämmt.

Das Offshore Bankkonto wird von zu Hause online verwaltet

Sobald ein Offshorekonto eröffnet ist, erhält der Kontoinhaber die Zugangsdaten zum Online-Banking, sodass er von zuhause aus über das Konto verfügen kann. Viele ausländische Banken stellen auch eine Kreditkarte aus oder senden dem Kunden Scheckvordrucke zu. Obwohl es sich bei einem Offshore Konto um ein anonymes Konto handelt, können Geldflüsse nachverfolgt werden, sobald der Kontoinhaber Geld auf sein ausländisches Konto überweist beziehungsweise per Scheck, Überweisung oder Kreditkarte über sein Guthaben verfügt.

Um dem Verdacht der Geldwäsche oder der Steuerhinterziehung zu entgehen, der im Zusammenhang mit Offshore Konten schnell aufkommt, sollte der Kontoinhaber daher das Konto gegenüber den deutschen Finanzbehörden offenlegen, sofern dies steuerrechtlich notwendig ist. Als Währung fungiert bei diesem Kontotyp häufig der Dollar, hier ist die Umrechnung Dollar in Euro online und kostenlos möglich.

Eine Überweisung von einem deutschen Konto auf das Konto im Ausland unterliegt ab einem Betrag von 12.500 Euro der deutschen AWV Meldepflicht. Steuerbetrüger schalten oft ganze Kaskaden von Konten über Scheinfirmen zwischen dem ursprünglichen Quellkonto und dem finalen Offshore Konto. Legale Offshore Firmen werden eine Auslandsüberweisung durchführen und den Transfer elektronisch mit ihrer Meldenummer der Bundesbank melden. Für den Offshohe Konto bezogenen Einsatz sollte eine Kreditkarte ohne Auslandseinsatzentgelt gewählt werden.

Länderliste für Offshore Konten

Bankkunden können ein Offshore Konto unter anderem in folgenden Staaten eröffnen:

Andorra Cook Islands Panama
Bahamas Dubai Seychellen
Belize Grenada Singapur
Bermudas Hongkong Vanuatu
Britische Jungferninseln Isle of Man Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
Cayman Islands Mauritius

Auch die Schweiz, Liechtenstein, Zypern und Luxemburg werden gelegentlich zu den Offshore Ländern gezählt.
Für deutsche Privatpersonen und Geschäftsleute ist es legal, ein Offshore Konto zu besitzen. Da ein Offshore Konto als anonymes Konto eröffnet wird, muss der Kontoinhaber jedoch dafür sorgen, dass der deutsche Fiskus über alle meldepflichtigen Transaktionen und Einnahmen ordnungsgemäß informiert wird. Zinseinnahmen aus Geldanlagen auf dem Offshore Konto unterliegen der deutschen Abgeltungssteuer, sofern das Land, in dem das Konto geführt wird, weder eine Meldung an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) in Deutschland macht noch eine Quellensteuer einbehält, die teilweise an die deutschen Finanzbehörden überwiesen wird.

Vorteile und Nachteile von Offshore Konten

Kontoinhaber eines Offshore Kontos führen vor allem die folgenden Vorteile als Argumente für die Eröffnung eines Auslandskontos an:

  • anonymes Konto, das früheren Geschäftspartnern oder ehemaligen Ehegatten nicht bekannt ist
  • Diversifikation von Währungsrisiken durch Eröffnung eines sogenannten Multiwährungskontos
  • teilweise bessere Verzinsung von Guthaben
  • Streuung politischer Risiken
  • steuerliche Vorteile
  • Gründung einer Offshore Firma, für die das Konto zwingend notwendig ist

Ein Offshore Konto beinhaltet aber auch einige Nachteile:

  • aufwändige und zum Teil kostenpflichtige Kontoeröffnung
  • mögliche Sprachbarrieren
  • mit dem Verdacht von Steuerhinterziehung und Geldwäsche verbunden
  • teilweise politisch instabile Situation in den Offshore Staaten
  • durch den Verkauf von Kundendaten („Steuer-CD“) Offenlegung der Konten und Strafverfolgung durch den deutschen Fiskus

Eine Offshore Firma gründen

Im Rahmen der EU-Niederlassungsfreiheit, die die Bundesregierung, ist es deutschen Unternehmen erlaubt, die unterschiedlichen Steuersätze innerhalb der Europäischen Union zu nutzen und ihren Geschäftssitz ins europäische Ausland zu verlegen. So erfolgt zum Beispiel keine Sofort-Besteuerung der stillen Reserven einer Firma, wenn sie ihre Firmenzentrale von Deutschland nach Malta verlegt.
Anders sieht es hingegen bei der Gründung einer Offshore Firma in einer Steueroase wie Belize, Panama, auf den Seychellen oder den Cayman Islands aus. Hier kehrt sich die Beweislast um und das Unternehmen muss den deutschen Steuerbehörden nachweisen, dass es sich um eine legale Geschäftsgründung im Ausland handelt. Auch die stillen Reserven der Firma werden in diesem Fall sofort besteuert.

Briefkastenfirma Vermittler

Zahlreiche Vermittler im Internet bieten die Gründung einer sogenannten Briefkastenfirma an. Dabei führt ein pro forma eingesetzter Geschäftsführer den Betrieb, an dessen Adresse sich mehrere Tausend Firmen befinden können („registered office“). Da eine Briefkastenfirma im Inland nicht wirtschaftlich tätig ist, müssen keine Steuern gezahlt werden. Die Gründung einer solchen Firma ist nach deutschem Recht nicht gesetzeskonform und wird gegebenenfalls strafrechtlich verfolgt.
Eine legale Offshore Firma weist folgende Aspekte auf:

Am ausländischen Geschäftssitz muss sich ein fest angestellter Geschäftsführer aufhalten, der erkennbar die Firma leitet, also beispielsweise Verträge abschließt.

  • Das Gehalt des Geschäftsführers muss den örtlichen Gegebenheiten entsprechen. Ein Treuhand-Direktor mit einer zu geringen Vergütung weist auf eine illegale Offshore Firma hin.
  • Das Unternehmen muss vor Ort ein funktionsfähiges Büro, gegebenenfalls mit Angestellten, unterhalten.
  • Die Firma muss im Land nachweisbar Geschäfte betreiben und am örtlichen Wirtschaftsleben teilnehmen.
  • Die deutsche Muttergesellschaft kann glaubhaft nachweisen, dass die Gründung der Offshore Firma aus wirtschaftlichen Gründen erfolgte.

Internationale Trends bezüglich Transparenz von Offshore Konten

Schon jetzt versuchen Staaten weltweit, Steuerhinterziehungen und Geldwäsche zu verfolgen und zu ahnden. In Deutschland finden dazu Gesetze Anwendung, die die Sicherung von Einnahmen nach deutschem Steuerrecht sowie die Berichtigung von Einkünften gewährleisten. Dazu zählen das Außensteuergesetz (AStG) und die Steuerhinterziehungsbekämpfungsverordnung, nach der der deutsche Staat gegen Länder vorgeht, die nicht kooperieren. Im AStG sind vor allem folgende Paragrafen von Bedeutung:

  • § 1 AStG (Funktionsverlagerung)
  • §§ 2-5 AStG (erweiterte beschränkte Einkommensteuerpflicht)
  • § 15 AStG (Hinzurechnungsbesteuerung bei Stiftungen)
  • §§ 7-14 AStG (Hinzurechnungsbesteuerung)
  • § 6 AStG (Wegzugsbesteuerung)

International finden sich Klauseln in den Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit anderen Staaten, die die Teilnehmer zur Weitergabe von Auskünften und zur Einhaltung von Missbrauchsmaßnahmen verpflichten.

Steueroasen unterlaufen Abkommen

Trotz aller internationalen Transparenzstandards versuchen Steueroasen entsprechende Abkommen zu umgehen. Beispielsweise durch Verzögerungen bei Anfragen oder beim Datenaustausch (s auch Artikel in Zeit Online). Auch ist es die Frage, welche Daten überhaupt von den Steueroasen erfasst und wie übermittelt werden. Wenn dies nicht in einer von den Kontrolleuren angefordertem Datenformat erfolgt, können die Informationen wertlos sein.

Account Tax Compliance Act

Die USA haben mit dem Foreign Account Tax Compliance Act, abgekürzt FACTA, ein Gesetz erlassen, mit dem andere Länder verpflichtet werden, die Konten amerikanischer Staatsbürger im Ausland zu melden. Auf Grundlage des amerikanischen FACTA hat die Europäische Union die weitgehende Abschaffung des Bankgeheimnisses ebenfalls beschlossen. Auch Konten in der Schweiz, in Luxemburg, Monaco, San Marino, Andorra, Liechtenstein und Österreich werden daher dem einheimischen Fiskus gemeldet.

In vielen Offshore Staaten bestehen Stiftungen oder Trusts, die von einem Treuhänder geleitet werden. Seit Jahr 2017 muss die „tatsächlich wirtschaftlich berechtigte Person” dem Finanzamt des eigenen Landes gemeldet werden, sodass eine Verschleierung auch hier nicht mehr möglich ist.
Außerdem hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, nach der englischen Übersetzung Organisation for Economic Cooperation and Development mit OECD abgekürzt, mit dem Common Reporting Standard (CRS) einen weltweiten Standard für den Austausch von Finanzdaten erstellt. Die globale Weitergabe der Informationen im Rahmen des CRS findet ab Anfang 2016 Anwendung.

Suchvolumen

In der Abbildung 1 ist das Suchvolumen für das key bei Google Trends dargestellt. Als einstellungen wurden Suchvolumen für Deutschland und die letzten 12 Monate gewählt. Offenbar erwartet Google demnächst einen Anstieg des Interesses, denn die gestrichelte Linie stellt die Prognose dar.

Suchvolumen für

Abb. 1: Suchinteresse an „offshore konto“ laut Google Trends für Deutschland vom 16.09.2018 -16.09.2019. Quelle: trends.google.de

Für die Beurteilung der Aussagefähigkeit finden Sie auf unserer Seite zur Gooogle Suchstatistik weitere Informationen.

Panama Papers

Was sind die Panama Papers? Die Panama Papers beziehen sich auf die 11,5 Millionen durchgesickerten verschlüsselten vertraulichen Dokumente, die Eigentum der in Panama ansässigen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca waren. Die Dokumente wurden am 3. April 2016 von der Süddeutschen Zeitung (SZ) veröffentlicht und als „Panama Papers“ bezeichnet.

Das Dokument enthüllte das Netzwerk von mehr als 214.000 Steueroasen, an denen Menschen und Organisationen aus 200 verschiedenen Nationen beteiligt waren und teilweise Gelder auf Offshore Konten versteckt haben. Das SZ und das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) haben sich ein Jahr lang bemüht, die verschlüsselten Dateien zu entschlüsseln, bevor die Enthüllungen veröffentlicht wurden.

Service

Es gibt etliche Banken, die keine Überweisungen auf Off-Shore Konten vornehmen. Beispielsweise führt die Bundesbank die Central Bank of Barbados Bridgetown, BIC: CBAB BB BB an. Die Bank führt keine Zahlungen zugunsten von Off-Shore-Banken und Off-ShoreUnternehmen aus

Literatur

Abusive Offshore Tax Avoidance Schemes – Talking Points

HSBC Offshore Banking for Expats

Ten things about offshore assets and income

Andersen J.J. , Johannesen N., D Dreyer Lassen D., Paltseva E.; 2015: Petro rents, political institutions, and hidden wealth: Evidence from bank deposits in tax havens. EPRU Working Paper Series.

Grinberg, I. 2012: The Battle Over Taxing Offshore Accounts

Sahm, R. 2018: Theorie und Ideengeschichte der Steuergerechtigkeit

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