Verlustverrechnungstopf – steuerliche Saldierung bei Erträgen und Verlusten von Geldanlagen in einem Verlusttopf

Die Banken unterhalten mehrere Verlusttöpfe: Verlustverrechnungstopf Aktien und SonstigeWer Wertpapiere kauft und jahrelang im Depot liegen lässt braucht sich abgesehen von Dividendenzahlungen um die steuerliche Seite wenig kümmern. Auch Trader bemerken vordergründig beim regelmäßigen Wertpapierkauf und -verkauf kaum etwas, wenn Erträge oder Verluste von den Banken automatisiert über einen Verlustverrechnungstopf steuerlich verrechnet werden.

 

InfoBegriff Verlusttopf
Entsprechend den Anforderungen der Abgeltungssteuer verrechnen Banken in fiktiven Töpfen (Konten) taggleich positive und negative Kapitalerträge ihrer Kunden an der Quelle, in den sogenannten Verlustverrechnungstöpfen. Die Kapitalerträge werden dabei getrennt nach Herkunft in den einzelnen Verlusttöpfen saldiert.

Letzlich handelt es sich bei den unterschiedlichen Verlusttöpfen um interne, virtuelle Konten, welche von den Banken für jeden Anleger ab dem Eintritt bestimmter steuerrelevanter Geschäftsvorfälle eingerichtet werden.

Bei Verlusttöpfen wird differenziert

Der Oberbegriff Verlusttopf muss in Bezug auf die unterschiedlichen steuerlichen Behandlungen der verschiedenen Geschäftsvorfälle bei Wertpapieranlagen differenziert betrachtet werden. Insgesamt existieren drei Verlusttöpfe, denen zwei Steuertöpfe gegenüberstehen. Ab 2022 könnte aufgrund der Umsetzung der BMF Verordnung vom 03.06.2021 ein Verlustverrechnungstopf Termingeschäfte dazu kommen).

Diese Verlustverrechnungstöpfe sind zu beachten:

  • Aktienverlusttopf
  • Allgemeiner/Sonstige Verlusttopf
  • Quellensteuertopf
  • (Verlustverrechnungstopf Termingeschäfte, voraussichtlich ab 2021)

Neben dem Topf Aktien existiert noch der Verlusttopf Sonstige sowie der Quellensteuertopf.

Die Steuertöpfe lauten auf die zweifelsfreien Namen

  • Steuertopf Aktien und
  • Sonstige und

Sinn der Töpfe ist es, die Besteuerung von Aktien in eine chronologisch richtige Reihenfolge zu bringen, um auf diese Art die korrekte Besteuerung aus Aktiengewinnen respektive die ordentliche Verlustermittlung des Anlegers zu erreichen.

Wertpapierdepot Vergleich

Was kommt in welchen Topf?

Zusammenhang Verlustverrechnungstopf Aktien vs. Steuertopf AktienIm Verlusttopf Aktien kumuliert die Bank alle Verluste des Anlegers aus Aktiengeschäften. Da es keine negative Dividende gibt, fließen hier lediglich realisierte Kursverluste ein. Diesem Verlusttopf steht der Steuertopf Aktien gegenüber. In diesem werden ausschließlich realisierte Kursgewinne angesammelt. Die Verrechnung aller anderen Erträge oder Verluste, dazu gehören auch die Kursgewinne aus Investmentfonds, Zins- und Dividendenerträge oder Stückzinsen, erfolgt über den Verlusttopf Sonstige und den Steuertopf Sonstige. Der Quellensteuertopf dient der Berechnung der Quellensteuer aus ausländischen Kapitalanlagen, sofern diese veranlagt, aber nicht an der Quelle abgeführt wurde.

Die Zubereitung des „Steuergerichtes“, die Ermittlung der Steuerschuld, aus den Zutaten der unterschiedlichen Töpfe muss man als einen Prozess sehen, bei dem die Zutaten in einer bestimmten Reihenfolge verarbeitet werden müssen. Zunächst einmal werden alle positiven Erträge mit den Inhalten der Verlusttöpfe Aktien und Sonstige verrechnet. Der verbliebene Betrag wird um den Freibetrag bereinigt. Nachdem das Ergebnis noch um die Quellensteuer bereinigt wurde, verbleibt der zu versteuernde Betrag, der nun in die Steuertöpfe Aktien und Sonstige einfließt.

Neu: Verlusttopf Termingeschäfte ab 2022?

2021 neu: Devisentermingeschäfte, Forwards, Futures, Contracts for Difference (CFDs), Optionen und Swaps sind Termingeschäfte. Im Verlustverrechnungstopf Termingeschäfte können pro Jahr nur 20.000 Euro Verluste verrechnet werden und nur mit Gewinnen aus Termingeschäften. Höhere Beträge müssen vorgetragen werden (BMF-Schreiben vom 03.06.2021, siehe unten unter News & Recht). Wie das BMF Schreiben bankenseitig umgesetzt wird ist aktuell noch unklar.

Verlustverrechnung ist vorgegeben

Für die Verrechnung von Verlusten gibt es allerdings strikte Regeln. Aktiengewinne können ebenso mit Verlusten aus Aktiengeschäften wie mit Verlusten aus anderen Kapitalanlagen verrechnet werden. Gewinne aus sonstigen Wertpapiergeschäften können jedoch nur mit Verlusten aus sonstigen Wertpapieranlagen verrechnet werden, nicht mit den Verlusten aus Aktien.

Bahnt sich ein Crash an der Börse an, und ein Anleger realisiert hohe Verluste, kann er diese nicht mit Gewinnen aus Anleihegeschäften verrechnen, sondern muss warten, bis er wieder entsprechende Gewinne aus Aktienverkäufen realisieren kann. Für die Ermittlung der Steuerberechnung bei Verlusten ergibt sich eine etwas andere Reihenfolge als bei der Ermittlung des Gewinnes. Zu Beginn stehen die Verluste aus Aktiengeschäften. Mit diesen werden die Inhalte der Steuertöpfe Aktien und Sonstige verrechnet. Nach der ermittelten Steuerrückzahlung wird nun der Inhalt des Steuertopfes Quellensteuer um den Freibetrag gemindert. Das Gesamtergebnis fließt in die Verlusttöpfe Aktien und Sonstige.

Unterschiedliche Behandlung zum Jahresende

Für die verschiedenen Töpfe sieht der Gesetzgeber für den Jahreswechsel unterschiedliche Behandlungsweisen vor. Der Steuertopf und der Quellensteuertopf werden am 31.12. auf null gesetzt, die aufgelaufene Steuer wird entrichtet. Der Aktienverlusttopf und der Verlusttopf Sonstige werden dagegen über den Jahreswechsel hinweg weitergeführt, aufgelaufene, nicht verrechnete Verluste können auch zu späteren Zeitpunkten noch zur Minderung künftiger Gewinne verwendet werden. Die Bank erstellt nicht automatisch einen Verlustfeststellungsbescheid Nicht verrechnete aber anrechenbare Quellensteuer verfällt jedoch nicht, sondern wird von der Bank testiert. Bei einem Depotübertrag zu einer anderen Bank  können die Töpfe, gerade der Verlusttopf Aktien steht hier im Fokus, auf Antrag zu der neuen Bank übertragen werden. Unterbleibt die Antragstellung, erfolgt eine Bescheinigung des bisherigen Institutes über die aufgelaufenen Beträge.

Steuerzahler, die in ihrer Steuererklärung Verluste geltend machen möchten, können bei der Bank eine Verlustbescheinigung beantragen. Der Grund dafür kann beispielsweise darin liegen, wenn bei verschiedenen Banken Depots unterhalten werden und ein steuerlicher Ausgleich überschüssig gezahlter Abgeltungssteuer erfolgen soll. Ein Antrag auf Ausstellung einer Verlustbescheinigung muss bis spätestens 15. Dezember eines jeden Jahres bei der Bank vorliegen.
Das Bundesfinanzministerium hat hier eine Mustervorlage für die Verlustrechnung veröffentlicht.

Verlusttopf Saldierung bei Ehepartner

Unterhalten Ehepartner bei einer Bank jeweils ein eigenes Depots und haben sie einen gemeinsamen Freistellungsauftrag eingereicht, werden die Verlusttöpfe saldiert. Zuviel gezahlte Abgeltungssteuer wird gegebenenfalls zurückgezahlt.

Tipps

Verlusttöpfe sind an den Kontoinhaber gebunden. Wer einen Depotwechsel zu einer anderen Bank veranlasst, sollte beim Ausfüllen der Formulare unbedingt auch auf die Mitnahme der Töpfe achten. Dabei gilt fast immer: Verlustöpfe können nur übertragen werden, wenn das komplette Depot und nicht nur einzelne Aktien transferiert werden.

comdirect: Die comdirect informiert Wechsler auf dieser Seite über die Möglichkeiten Verlusttöpfe mit dem Depot zur comdirect zu übertragen.
Kunden finden die Übersicht in der oberen Navigationsleiste unter „Verwaltung“ > „Steuerübersicht“, die Verlustverrechnungstöpfe werden in dieser Form angegeben:

Gewinne/Verluste aus Aktien (Verrechnungssaldo) EUR
Gewinne/Verluste Sonstige (Verrechnungssaldo) EUR

onvista bank: Die onvista bank nennt die Verlusttöpfe Verrechnungssalden Aktien oder Sonstige. Diese können bei Depotübertrag von der alten Bank zur onvista bank mitgenommen werden. Dazu muss im Formular ein entsprechendes Häkchen gesetzt werden.

flatex: auch beim Broker Flatex ist beim Wechsel des Depots im entsprechenden Formular an der entsprechenden Stelle ein Häkchen zu setzen:

Formular zum Verlusttopf bei Depotübertrag zu flatex

 

Hinweis: Gewinne aus dem Verkauf von Gold in physischer Form als Barren sind nach einem Jahr Haltedauer bei Verkauf steuerfrei.

Dagegen sind Gewinne aus Gold in Form von Zertifikaten nicht steuerfrei und werden von der Bank in den entsprechenden Verlusttopf gebucht. Dagegen unterliegt das Xetra Gold der Spekulationssteuer.

Beispiele

Hier finden Sie einige Beispiele aus dem realen Trader-Alltag:

Aktienverlusttopf/Gewinne/Verluste Aktien (Saldo)

A. Angenommen der Aktienverlusttopf steht auf „0“, Sie haben bisher 2.000 Euro Gewinn mit Aktien erzielt und dafür auch Kapitalertragssteuer + Soli bezahlt:

Gewinne/Verluste Aktien (Saldo) EUR 1.000
Verlustverrechnungstopf Aktien EUR 0,00

Sie verkaufen nun eine Aktie und machen dabei 500 Euro Verlust. Danach sieht die Steuerverwaltung so aus:

Gewinne/Verluste Aktien (Saldo) EUR 500
Verlustverrechnungstopf Aktien EUR 0,00

Allerdings erhalten Sie die Kapitalertragssteuer + Soli für 500 Euro rückerstattet:

Abgeltungssteuer: 125,00 €
Solidaritätszuschlag:6,87 €

in 2021 einbehaltene Kapitalertragsteuer einbehaltener Solidaritätszuschlag
vor Ermittlung 500,00 27,50
nach Ermittlung 375,00 20,63

Verlustverrechnungstopf News & Recht

Juni 2021 Das Bundesfinanzministerium hat endlich geklärt: Bei Optionsscheinen und Hebelzertifikaten handelt es sich nicht um Termingeschäfte. Erzielen Trader damit Verluste, können Sie diese vollumfänglich mit Gewinnen verrechnen bzw. sich als Verlustvortrag steuerlich anrechnen lassen.

Quelle:
Einzelfragen zur Abgeltungsteuer;
Ergänzung des BMF-Schreibens vom 18. Januar 2016 (BStBl I S. 85)
IV C 1 – S 2252/19/10003 :002
2021/0005928

Die Bundesregierung plante mit dem neuen Jahressteuergesetz 2020, die Verrechnung von Verlusten z. B. bei Termingeschäften deutlich einzuschränken. Die Folge wäre ein weiterer Verlustverrechnungstopf ab 2021, dann wären es insgesamt drei. Der Bundesrat sieht das im Hinblick auf die bestehende Gesetzeslage kritisch.

„Der Bundesrat spricht sich für die Streichung der 2019 (BGBl. I 2019, 2875) geschaffenen neuen Verlustverrechnungsbeschränkungen im Bereich der Einkünfte aus Kapitalvermögen aus.“

 

Wissen

Verlustverrechnungsbeschränkung 2020, 2021 und 2022

Die neue Verlustverrechnungsbeschränkung findet sich im § 20 Absatz 6 Sätze 5 und 6 des Einkommensteuergesetzes (EStG).

1. Verluste aus dem wertlosen Verfall von Wirtschaftsgütern (§ 20 Abs. 6 S. 6 EStG):

Diese Regelung greift materiell-rechtlich bereits seit Beginn des Jahres 2020.

Hiernach dürfen
– Verluste aus der ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung,
– Verluste aus der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter im Sinne des § 20 Abs. 1 EStG,
– Verluste aus der Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter im Sinne des § 20 Abs. 1 EStG auf einen Dritten oder
– Verluste aus einem sonstigen Ausfall von Wirtschaftsgütern im Sinne des § 20 Abs. 1 EStG

nur mit Einkünften aus Kapitalvermögen bis zur Höhe von 20.000 Euro p.a. ausgeglichen werden.

Nicht verrechnete Verluste

– können auf Folgejahre vorgetragen werden und
– jeweils in Höhe von 20.000 Euro
– mit Einkünften aus Kapitalvermögen (ausschließlich der Gewinne aus Termingeschäften und Aktienveräußerungsgewinnen) verrechnet werden.

Für das Jahr 2020 hat das Bundesministerium für Finanzen zur Veröffentlichung eines entsprechenden Schreibens entschieden und bekanntgegeben (Schreibens des Bundesministeriums für Finanzen vom 27. August 2020), dass Kreditinstitute hinsichtlich der Berücksichtigung etwaiger Verluste im Rahmen der Einstellung in den allgemeinen Verlustverrechnungstopf weiterhin verfahren können wie gehabt. Da die Verlustverrechnung grundsätzlich im Wege der Veranlagung zu erfolgen hat, ist eine Veranlagungspflicht geboten.

Für das Jahr 2021 hat das Bundesministerium für Finanzen eine Übergangsregelung geschaffen, wonach

– Verluste aus ausgeknockten oder
– wertlos verfallenen Optionsscheinen sowie
– wertlos verfallenen Zertifikaten

nicht mehr im allgemeinen Verlustverrechnungstopf berücksichtigt werden dürfen.

2. Verluste aus Termingeschäften (§ 20 Abs. 6 S. 5 EStG):

Diese Regelung greift materiell-rechtlich mit Beginn des Jahres 2021.

Hiernach dürfen Verluste aus Termingeschäften, insbesondere aus dem Verfall von Optionen, nur mit Gewinnen aus Termingeschäften und mit Einkünften aus Stillhalterprämien ausgeglichen werden, wenn sie nach dem 31. Dezember 2020 entstanden sind.

Die Verlustverrechnung ist beschränkt auf 20.000 Euro p. a.

Nicht verrechnete Verluste

– können auf Folgejahre vorgetragen werden und
– jeweils in Höhe von 20.000 Euro
– mit Gewinnen aus Termingeschäften oder mit Einkünften aus Stillhalterprämien verrechnet werden,

wenn nach der unterjährigen Verlustverrechnung ein verrechenbarer Gewinn verbleibt.

3. Für das Jahr 2022 gilt:

Für das Jahr 2022 hat das Bundesministerium für Finanzen die Absicht bekundet ein Ergänzungsschreiben zur Abgeltungsteuer zu veröffentlichen, worin die (bankseitige) Umsetzung der neuen Verlustverrechnungsbeschränkung geregelt werden soll.

Da es derzeit noch einige Unklarheiten gibt, gilt es für die Jahre ab 2022 abzuwarten, wie anhand des neu zu veröffentlichenden BMF-Schreibens hinsichtlich der Umsetzung zu verfahren ist.

Zwar liegt aus heutiger Sicht noch kein finales Ergänzungsschreiben zur Abgeltungsteuer vor, jedoch lassen sich auf Basis der bisher zirkulierten Entwürfe folgendes zusammenfassend darlegen:

– Die Verlustverrechnung soll für unter Satz 5 und 6 fallende Kapitalmarktprodukte zukünftig nur noch im Wege der Veranlagung erfolgen.
– Auf Bankebene wird der Verlustausgleich nicht mehr möglich sein.
– Bestandsgeschützte Alt-Anteile (Anschaffung der Wertpapiere vor dem 1. Januar 2009) fallen nicht unter die Neuregelung des § 20 Abs. 6 S. 6 EStG.
– Optionsscheine und Zertifikate werden nicht als Termingeschäft eingestuft. Sie fallen daher nicht unter die Verlustverrechnungsbeschränkung des § 20 Abs. 6 S. 5 EStG. Vielmehr unterliegen diese der beschränkten Verlustverrechnung des § 20 Abs. 6 S. 6 EStG.
– Neben den Optionsgeschäften fallen auch die an der Eurex gehandelten Futures sowie Forwards und CFDs unter den Termingeschäftsbegriff und mithin auch unter die Verlustverrechnungsbeschränkung des § 20 Abs. 6 S. 5 EStG. Verfällt ein Termingeschäft damit wertlos, so unterliegt der hieraus entstandene Verlust der Regelung des § 20 Abs. 6 S. 5 EStG. Ausgenommen sind hiervon Verluste aus der Glattstellung von Stillhalterpositionen.