Verlustverrechnungstopf – steuerliche Saldierung bei Erträgen und Verlusten von Geldanlagen auf Verlusttöpfen

Die Banken unterhalten mehrere Verlusttöpfe: Verlusttopf Aktien und SonstigeWas für den Laien wie ein amüsantes Wortspiel klingt, ist für den Börsianer ein Fachbegriff, hinter dem sich die gesamten relevanten steuerlichen Behandlungen seiner Geldanlage und Investments verbergen. Ohne das der Sparer bei den Zinseinnahmen oder der Depotinhaber beim Wertpapierkauf etwas bemerkt, werden Erträge oder Verluste von den Banken automatisiert, steuerlich über (fiktive) Verlustverrechnungstöpfe verarbeitet.

InfoBegriff Verlusttopf
Entsprechend den Anforderungen der Abgeltungssteuer verrechnen Banken in fiktiven Töpfen (Konten) taggleich positive und negative Kapitalerträge ihrer Kunden an der Quelle, in den sogenannten Verlustverrechnungstöpfen. Die Kapitalerträge werden dabei getrennt nach Herkunft in den einzelnen Verlusttöpfen mit den positiven oder negativen Beträgen saldiert.

Letzlich handelt es sich bei den unterschiedlichen Verlusttöpfen um interne, virtuelle Konten, welche von den Banken für jeden Anleger ab dem Eintritt bestimmter steuerrelevanter Geschäftsvorfälle eingerichtet werden.

Bei Verlustverrechnungstöpfen muss differenziert werden

Der Oberbegriff Verlusttopf muss in Bezug auf die unterschiedlichen steuerlichen Behandlungen der verschiedenen Geschäftsvorfälle bei Wertpapieranlagen differenziert betrachtet werden. Insgesamt existieren drei Verlusttöpfe, denen zwei Steuertöpfe gegenüberstehen.

Diese Verlustverrechnungstöpfe sind zu beachten:

  • Aktienverlusttopf
  • Allgemeiner/Sonstige Verlusttopf
  • Quellensteuertopf

Neben dem Topf Aktien existiert noch der Verlusttopf Sonstige sowie der Quellensteuertopf.

Die Steuertöpfe lauten auf die zweifelsfreien Namen

  • Steuertopf Aktien und
  • Steuertopf Sonstige

Sinn der Töpfe ist es, die Besteuerung von Aktien in eine chronologisch richtige Reihenfolge zu bringen, um auf diese Art die korrekte Besteuerung aus Aktiengewinnen respektive die ordentliche Verlustermittlung des Anlegers zu erreichen.

Wertpapierdepot Vergleich

Was kommt in welchen Topf?

Zusammenhang Verlusttopf Aktien vs. Steuertopf AktienIm Verlusttopf Aktien kumuliert die Bank alle Verluste des Anlegers aus Aktiengeschäften. Da es keine negative Dividende gibt, fließen hier lediglich realisierte Kursverluste ein. Diesem Verlusttopf steht der Steuertopf Aktien gegenüber. In diesem werden ausschließlich realisierte Kursgewinne angesammelt. Die Verrechnung aller anderen Erträge oder Verluste, dazu gehören auch die Kursgewinne aus Investmentfonds, Zins- und Dividendenerträge oder Stückzinsen, erfolgt über den Verlusttopf Sonstige und den Steuertopf Sonstige. Der Quellensteuertopf dient der Berechnung der Quellensteuer aus ausländischen Kapitalanlagen, sofern diese veranlagt, aber nicht an der Quelle abgeführt wurde.

Die Zubereitung des „Steuergerichtes“, die Ermittlung der Steuerschuld, aus den Zutaten der unterschiedlichen Töpfe muss man als einen Prozess sehen, bei dem die Zutaten in einer bestimmten Reihenfolge verarbeitet werden müssen. Zunächst einmal werden alle positiven Erträge mit den Inhalten der Verlusttöpfe Aktien und Sonstige verrechnet. Der verbliebene Betrag wird um den Freibetrag bereinigt. Nachdem das Ergebnis noch um die Quellensteuer bereinigt wurde, verbleibt der zu versteuernde Betrag, der nun in die Steuertöpfe Aktien und Sonstige einfließt.

Verlustverrechnung ist vorgegeben

Für die Verrechnung von Verlusten gibt es allerdings strikte Regeln. Aktiengewinne können ebenso mit Verlusten aus Aktiengeschäften wie mit Verlusten aus anderen Kapitalanlagen verrechnet werden. Gewinne aus sonstigen Wertpapiergeschäften können jedoch nur mit Verlusten aus sonstigen Wertpapieranlagen verrechnet werden, nicht mit den Verlusten aus Aktien.

Bahnt sich ein Crash an der Börse an, und ein Anleger realisiert hohe Verluste, kann er diese nicht mit Gewinnen aus Anleihegeschäften verrechnen, sondern muss warten, bis er wieder entsprechende Gewinne aus Aktienverkäufen realisieren kann. Für die Ermittlung der Steuerberechnung bei Verlusten ergibt sich eine etwas andere Reihenfolge als bei der Ermittlung des Gewinnes. Zu Beginn stehen die Verluste aus Aktiengeschäften. Mit diesen werden die Inhalte der Steuertöpfe Aktien und Sonstige verrechnet. Nach der ermittelten Steuerrückzahlung wird nun der Inhalt des Steuertopfes Quellensteuer um den Freibetrag gemindert. Das Gesamtergebnis fließt in die Verlusttöpfe Aktien und Sonstige.

Unterschiedliche Behandlung zum Jahresende

Für die verschiedenen Töpfe sieht der Gesetzgeber für den Jahreswechsel unterschiedliche Behandlungsweisen vor. Der Steuertopf und der Quellensteuertopf werden am 31.12. auf null gesetzt, die aufgelaufene Steuer wird entrichtet. Der Aktienverlusttopf und der Verlusttopf Sonstige werden dagegen über den Jahreswechsel hinweg weitergeführt, aufgelaufene, nicht verrechnete Verluste können auch zu späteren Zeitpunkten noch zur Minderung künftiger Gewinne verwendet werden. Nicht verrechnete aber anrechenbare Quellensteuer verfällt jedoch nicht, sondern wird von der Bank testiert. Bei einem Depotübertrag zu einer anderen Bank  können die Töpfe, gerade der Verlusttopf Aktien steht hier im Fokus, auf Antrag zu der neuen Bank übertragen werden. Unterbleibt die Antragstellung, erfolgt eine Bescheinigung des bisherigen Institutes über die aufgelaufenen Beträge.

Tipps

Verlusttöpfe sind an den Kontoinhaber gebunden. Wer einen Depotwechsel zu einer anderen Bank veranlasst, sollte beim Ausfüllen der Formulare unbedingt auch auf die Mitnahme der Töpfe achten. Dabei gilt fast immer: Verlustöpfe können nur übertragen werden, wenn das komplette Depot und nicht nur einzelne Aktien transferiert werden.

comdirect: Die comdirect informiert Wechsler auf dieser Seite über die Möglichkeiten Verlusttöpfe mit dem Depot zur comdirect zu übertragen.
Kunden finden die Übersicht in der oberen Navigationsleiste unter „Verwaltung“ > „Steuerübersicht“, die Verlustverrechnungstöpfe werden in dieser Form angegeben:

Gewinne/Verluste aus Aktien (Verrechnungssaldo) EUR
Gewinne/Verluste Sonstige (Verrechnungssaldo) EUR

onvista bank: Die onvista bank nennt die Verlusttöpfe Verrechnungssalden Aktien oder Sonstige. Diese können bei Depotübertrag von der alten Bank zur onvista bank mitgenommen werden. Dazu muss im Formular ein entsprechendes Häkchen gesetzt werden.

flatex: auch beim Broker Flatex ist beim Wechsel des Depots im entsprechenden Formular an der entsprechenden Stelle ein Häkchen zu setzen:

Formular zum Verlusttopf bei Depotübertrag zu flatex

 

Hinweis: Gewinne aus dem Verkauf von Gold in physischer Form als Barren sind nach einem Jahr Haltedauer bei Verkauf steuerfrei.

Dagegen sind Gewinne aus Gold in Form von Zertifikaten nicht steuerfrei und werden von der Bank in den entsprechenden Verlusttopf gebucht. Dagegen unterliegt das Xetra Gold der Spekulationssteuer.